Niemand setzt uns so sehr unter Druck, wie wir es selber mit uns machen. Wir wollen schaffen, wir wollen erreichen. Vielleicht müssen wir es sogar. Um einem Bild gerecht zu werden, einen Status zu halten, voran zu schwimmen. Um so älter man wird, um so ruhiger und gelassener geht man mit den Umständen eines Lebens und seinen Anforderungen um. Man weiß einfach und hat es durch das Leben bereits gelernt, dass alles vorüber geht und alles sich in Minuten, vielleicht auch Tagen, einfach ändern kann. Eine Hölle, die man durchlebt haben mag, auch wenn man sich für eine Errungenschaft auf die Schulter klopfen mag, ist nichts als Vergangenheit und in der Zukunft, die sich Gegenwart schimpft, interessiert sich keiner mehr für sie. Was auch immer im Leben passiert, geht vorüber und vorbei. Und im Endeffekt gilt dies auch für Menschen. Sehr selten begleiten einen Seelen länger als ein paar Jahre. Phasenweise switcht es. Es kommen neue Menschen in unser Umfeld dazu, andere verblassen einfach und entschwinden ins grau des Vergessens. Was man bis jetzt erreicht hat, sich vielleicht sogar aufgebaut hat, kann in Sekunden vollkommen weg sein. Das ist die harte Realität. Und am Ende bleibt man selber noch nicht einmal. Man vergeht und nichts verbleibt, als das Echo in Anderen, die wir berührt haben mögen. Aber selbst das wird in Jahren immer leiser werden, bis nichts mehr von uns verbleibt. Diese kleine Erkenntnis befreit uns leider nicht von der Realität des gefühlsmäßigen Erlebens. Nur weil man weiß, dass etwas vorübergeht, kann man nicht immer neutral an eine Sache ran gehen. Wenn es die Gefühle aufwühlt, dann kann auch kein nüchterner Verstand sie dominieren.
So sehr uns bewusst ist, dass unsere Lebenszeit auch nur ein Blinzeln auf der Wiege des Kosmos ist, so sehr adeln wir eine einzelne Sekunde. Eine Sekunde kann länger andauern als ein ganzes Jahr. Sie kann uns Hoffnung schenken, auf die Liebe hoffen lassen, den Glauben an Höheres wiedergeben. Sie kann uns aber auch in Abgründe schicken, verzweifeln lassen, die Hoffnung auf gute Tage ins Vergessen geraten lassen.
Wanderer der Zeitzustände, die wir Seelen nun mal sind. Vom Gewesen zum Sein zum werden. Nichts können wir halten. Nichts bleibt und doch mag manche Sekunde in unserem Innern für eine ganze Lebenszeit verewigt sein. So sehr, wir die Zeit unser Lehrer ist, so sehr sind wir versklavt in ihr. Wir altern, wir werden schwächer, vieles fällt uns schwerer. Nur der Verstand bleibt so wach wie eh und je. Auf jeden Fall sehr lange, so hoffe ich doch. Was will man machen. Man kommt aus diesem Kreislauf aus werden und vergehen einfach nicht heraus. Und die Ruhe und Gelassenheit wird zum Mantel für das ältere Menschsein.
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