Das unermüdliche Bestreben

Das unermüdliche Bestreben

Wir können von so viel träumen, uns unendlich viel vorstellen. Um so jünger man ist, um so höher fliegt man noch im Geist. Wird man älter, dann nimmt immer mehr die Realität Raum ein. Die Sorgen werden größer, das Thema Verantwortung wird sehr groß geschrieben, weil man vielleicht sogar Kinder groß zieht, um die man sich kümmern muss, für die man einfach nur da ist. Und ehe man sich versieht, werden die Träume aus jungen Jahren immer kleiner und kleiner. Es reicht einem aus, wenn man nur noch seine Ruhe hat und der Trubel der Welt dort Außen vor der Haustür an einem vorbeizieht. Und die Träume aus jungen Jahren? Sie sind verewigt im Innern, dort begraben und ab und zu widmet man sich ihnen noch. Aber mit dem Älterwerden kommt auch die Ruhe in das Innere. Es muss nicht mehr alles sofort, nicht schon morgen, sondern es kann die Zeit dauern, die es eben braucht. Vielleicht will man noch die Welt verändern, auf gewisse Weise seine Spuren hinterlassen. Aber ein realer Kuss aus Liebe ist einem mehr wert als Träume, die vielleicht noch ein Jahrzehnt dauern können. Sicher gibt man nicht einfach auf, das kann man nicht. Wie groß die Intention am Anfang auch war, ist sie nicht nur des Geldes wegen entstanden, dann wird sie auch Jahrzehnte überdauern. Aber im Laufe des Lebens lernt man dazu. Träume sind schön und sie motivieren uns auch enorm. Helfen uns durchzuhalten und nicht aufzugeben, egal wie schwer es momentan sein möge. Glaubt man an ein Mehr im Leben, im Verstand, verschreibt sich vielleicht sogar größeren und höheren Werten, dann kann auch keine Mühsal des Lebens einen besiegen, egal wie schwer oder mit welcher Macht es zuschlagen sollte.

Das Leben bedeutet Veränderung und die Anpassung an Umstände, die uns das Schicksal auferlegt. Den ewigen Kampf mit den eigenen Dämonen, die unter Umständen schon enorm stark sein können. Man teilt nicht alles Jedem mit, viel mehr verschweigt man hinter fröhlichem Lachen, obwohl einem nicht immer danach zu Mute ist. Und vielleicht glaubt man auch nach Jahrzehnten noch an etwas Höheres, das einen über den bloßen Alltag erhebt. Höhere Ziele, eine Weitblick auf das Leben und seine Gesetzmäßigkeiten, das Werden und Vergehen in Jahren und Jahrzehnten.

Ich merke an meinem eigenen Text jetzt, dass auch das Älterwerden mich erfasst hat. Wie eine Krankheit legt es sich über meinen Geist und erinnert wie im Mahnmal daran, dass ich eines Tages nicht mehr sein werde. Was wird es sein, dass von mir bleibt? Eine blasse Erinnerung in Menschen, die ich berührt habe, an denen ich in den Phasen eines Lebens vorbeistreifte, bis auch diese irgendwann vergeht. Wofür macht man also all das im Laufe eines Lebens? Sind unsere Träume der größte Betrug an uns selber? Wir glauben wir sind etwas Besonderes, einzigartig. Aber genau das haben unendliche Millionen Seelen vor unserem Jahrhundert auch gedacht. Geblieben sind nur einer unter Millionen oder Tausenden, an den man sich erinnert nach all den Jahren.

Natürlich werde ich mein kreatives Schaffen auf egal welche Weise jetzt nicht beenden. Das kann ich einfach nicht. Ob ich jetzt für hundert Seelen oder nur eine schreibe, die sich in meinen Worten wiederfindet. Ich bin wie ich bin, mein Innerstes mir anerzogen habe. Ich glaube an ein Mehr im Innern. An Schicksal und Bestimmung. Und so, wie ich es kann, forme ich Worte der Botschaft, des Momentes, des Augenblicks. Nicht immer gibt es Motivation oder Geistesblitz. Manchmal ist es genauso grau, wie der Alltag eben ist. So Durchschnitt wie jede Seele da draußen. Denn nicht der Überdurchschnitt zeichnet eine Seele aus, sondern das unermüdliche Bestreben sich weiterzuentwickeln und zu üben, bis man vollkommen einzigartig seine Spuren auf egal welcher Weise in dieser der unseren Welt hinterlassen kann.


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Cassyhopya
Als Blogger, Schriftsteller und kreative Seele lebe ich für die Freiheit des Geistes. Ich glaube, dass wahre Freiheit in der grenzenlosen Entfaltung unserer Gedanken und Ideen liegt. Diese Überzeugung treibt mich an, alles Wissen, das ich finde, zu teilen – sei es durch Worte, Bilder oder andere kreative Ausdrucksformen. Denn Wissen ist ein Fluss, der fließen muss, um zu nähren und zu wachsen.

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