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Ein Tag im Leben eines Psychiaters: Zwischen Geschichten und Diagnosen

Posted on 14. Februar 2024 by Cassyhopya

Der Tag beginnt früh, wie immer. Während ich meinen ersten Kaffee des Tages trinke, überfliege ich die Liste der Patienten, die heute auf mich warten. Jeder Name steht für eine eigene Welt, eine eigene Geschichte. Manche kenne ich schon seit Jahren, andere sind neu. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie suchen Hilfe, Halt oder einfach jemanden, der zuhört.

Als Psychiater ist mein Alltag ein Balanceakt. Ich bin Zuhörer, Diagnostiker, manchmal auch Übersetzer für das, was jemand nicht in Worte fassen kann. Doch bei all der Empathie und dem Wunsch, jedem gerecht zu werden, gibt es auch Grenzen. Manchmal muss ich mich auf die nüchterne Wissenschaft verlassen – auf Symptome, Muster und Diagnosen – und weniger auf das, was mir erzählt wird. Das ist nicht immer einfach, aber notwendig.


8:00 Uhr: Der erste Patient

Mein erster Termin ist Herr L., ein Mann Mitte fünfzig. Er wirkt angespannt, seine Hände zittern leicht, während er spricht. Er erzählt von seiner Arbeit, die ihn zunehmend überfordert, und von Schlaflosigkeit, die ihn seit Wochen plagt. Während er redet, fällt mir auf, dass seine Gedanken sprunghaft sind, seine Worte oft ins Stocken geraten. Ich höre aufmerksam zu, stelle gezielte Fragen. Doch im Hinterkopf nehme ich bereits die ersten Anzeichen einer möglichen Depression wahr.

Es ist ein schmaler Grat: Einerseits möchte ich Herrn L. Raum geben, seine Sorgen auszudrücken. Andererseits muss ich die Symptome im Blick behalten, die auf eine tiefere Problematik hinweisen könnten. Am Ende des Gesprächs notiere ich mir meine Eindrücke und vereinbare einen Folgetermin. Die Diagnose ist noch nicht klar, aber ein Anfang ist gemacht.


9:30 Uhr: Eine junge Frau mit einer schweren Last

Frau M., Anfang dreißig, sitzt mir gegenüber und erzählt von ihrer Kindheit – von den Verlusten, dem Schmerz und den Ängsten, die sie bis heute begleiten. Ihre Stimme ist leise, fast brüchig. Ich spüre, wie viel Überwindung es sie kostet, diese Worte auszusprechen. Ihre Geschichte berührt mich tief, doch gleichzeitig muss ich mich konzentrieren. Ihre Symptome – Panikattacken, Schlafstörungen und ein ständiges Gefühl der Überforderung – deuten auf eine posttraumatische Belastungsstörung hin.

Ich erkläre ihr behutsam meine Einschätzung und schlage eine Therapie vor. Sie nickt zögerlich. Es ist ein kleiner Schritt, aber für sie vielleicht ein entscheidender. Während sie den Raum verlässt, frage ich mich kurz: Habe ich genug getan? Diese Frage begleitet mich oft – und bleibt meist unbeantwortet.


11:00 Uhr: Ein schwieriger Fall

Herr K. ist seit Jahren mein Patient. Er leidet an einer bipolaren Störung und befindet sich derzeit in einer manischen Phase. Seine Energie ist beinahe greifbar; er redet schnell, springt von einem Thema zum nächsten und scheint überzeugt davon zu sein, dass er in wenigen Wochen ein bahnbrechendes Unternehmen gründen wird.

In solchen Momenten ist es meine Aufgabe, einen Anker zu setzen – ihn zurück in die Realität zu holen, ohne seine Gefühle zu entwerten. Doch das ist leichter gesagt als getan. Ich versuche ruhig zu bleiben, lenke das Gespräch behutsam auf seine Medikation und frage nach seinem Schlafrhythmus. Herr K. weicht aus, wird ungeduldig. Ich bleibe hartnäckig. Manchmal bedeutet Hilfe auch, unangenehme Wahrheiten anzusprechen.


13:00 Uhr: Mittagspause – oder auch nicht

Die Mittagspause ist oft weniger Erholung als vielmehr eine kurze Verschnaufpause zwischen den Terminen. Während ich hastig ein Sandwich esse, gehe ich meine Notizen durch und bereite mich auf die nächsten Gespräche vor. Jeder Patient bringt neue Herausforderungen mit sich, und es gibt Tage, an denen sich die Geschichten wie ein schwerer Mantel um meine Schultern legen.

Manchmal frage ich mich: Wie viel kann man hören, ohne selbst daran zu zerbrechen? Doch dann erinnere ich mich daran, warum ich diesen Beruf gewählt habe. Es geht nicht darum, alle Probleme zu lösen – das wäre vermessen. Es geht darum, da zu sein, zuzuhören und einen kleinen Unterschied zu machen.


14:30 Uhr: Ein Kind in Not

Der Nachmittag bringt einen besonderen Fall: Ein zehnjähriger Junge, der seit Monaten nicht mehr in die Schule geht. Seine Mutter sitzt neben ihm und wirkt verzweifelt. Der Junge spricht kaum; er vermeidet Blickkontakt und scheint sich in sich selbst zurückzuziehen.

Kinder sind oft schwieriger zu „lesen“ als Erwachsene. Ihre Ängste und Sorgen äußern sich nicht immer in Worten, sondern in Verhalten. Ich versuche vorsichtig, sein Vertrauen zu gewinnen – stelle einfache Fragen, lasse ihm Zeit zu antworten. Nach einer Weile erzählt er mir von Albträumen und einem ständigen Gefühl der Angst.

Ich erkläre der Mutter behutsam meine Vermutung: Es könnte sich um eine Angststörung handeln. Gemeinsam besprechen wir die nächsten Schritte – eine Therapie für den Jungen und Unterstützung für die Familie. Als sie gehen, hoffe ich inständig, dass wir auf dem richtigen Weg sind.


17:00 Uhr: Die letzten Patienten

Die letzten Stunden des Tages sind oft die anstrengendsten. Meine Konzentration lässt nach, doch die Menschen vor mir verdienen meine volle Aufmerksamkeit. Frau S., eine ältere Dame mit einer chronischen Angststörung, erzählt von ihrer Einsamkeit. Herr T., ein junger Mann mit einer Suchterkrankung, spricht über seinen Rückfall.

In diesen Momenten wird mir bewusst, wie unterschiedlich die Schicksale meiner Patienten sind – und doch gibt es Gemeinsamkeiten. Alle suchen nach einem Weg aus ihrem Leid, nach Hoffnung und Perspektive.


19:00 Uhr: Feierabend – zumindest theoretisch

Der offizielle Arbeitstag endet, doch mein Kopf bleibt oft noch lange bei den Geschichten des Tages hängen. Habe ich die richtige Diagnose gestellt? Hätte ich anders reagieren sollen? Diese Fragen begleiten mich bis nach Hause.

Doch trotz aller Zweifel weiß ich eines sicher: Jeder Tag in diesem Beruf ist eine Herausforderung – aber auch ein Privileg. Die Geschichten meiner Patienten sind manchmal schwer zu tragen, aber sie erinnern mich auch daran, wie resilient Menschen sein können.

Ich schließe meinen Laptop und atme tief durch. Morgen beginnt ein neuer Tag – mit neuen Geschichten und neuen Chancen zu helfen.


Fazit

Psychiater zu sein bedeutet mehr als nur Diagnosen zu stellen oder Therapien anzubieten. Es bedeutet zuzuhören – nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit dem Herzen –, ohne dabei die Objektivität zu verlieren. Es bedeutet, sich auf Menschen einzulassen und gleichzeitig professionelle Distanz zu wahren.

Es ist ein Beruf voller Gegensätze: fordernd und bereichernd zugleich. Und obwohl es Tage gibt, an denen die Last schwer wiegt, gibt es auch Momente der Hoffnung – kleine Erfolge, die zeigen, dass sich all die Mühe lohnt.

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