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Ein Tag im Leben eines forensischen Linguisten: Zwischen Worten und Wahrheit

Posted on 14. Februar 2024 by Cassyhopya

Es ist 7:30 Uhr, und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee erfüllt mein Büro. Noch ist es ruhig, doch ich weiß, dass der Tag voller Herausforderungen stecken wird. Als forensischer Linguist ist mein Arbeitsalltag alles andere als gewöhnlich. Mein Beruf verbindet Sprache, Kriminalistik und Wissenschaft – eine faszinierende, aber auch anspruchsvolle Kombination.

Heute liegt ein Stapel Dokumente auf meinem Schreibtisch. Die Polizei hat mich um Unterstützung bei einem Erpressungsfall gebeten. Der Täter hat mehrere Drohbriefe an eine wohlhabende Unternehmerin geschickt. Meine Aufgabe? Den Verfasser anhand seiner sprachlichen Merkmale zu identifizieren.

Der erste Schritt: Die Sprache entschlüsseln

Ich beginne mit einer gründlichen Analyse der Texte. Jeder Satz, jedes Wort und sogar die Zeichensetzung können Hinweise auf die Identität des Schreibers geben. Ist die Sprache formell oder umgangssprachlich? Gibt es regionale Ausdrücke oder grammatikalische Eigenheiten? All das kann auf den sozialen Hintergrund, die Herkunft oder das Bildungsniveau des Verfassers schließen lassen.

Im ersten Brief fällt mir auf, dass der Schreiber häufig das Wort „gell“ verwendet – ein Ausdruck, der in Süddeutschland und Teilen Österreichs verbreitet ist. Auch die Rechtschreibung ist interessant: Das Wort „vielleicht“ wird konsequent als „vileicht“ geschrieben. Ein möglicher Hinweis auf eine geringe schulische Bildung oder eine bewusste Strategie, um sich dümmer darzustellen, als er tatsächlich ist? Solche Details sind entscheidend.

Die Herausforderung: Täuschung erkennen

Forensische Linguistik ist jedoch kein Zaubertrick. Es gibt keine magische Formel, um einen Täter allein anhand seiner Sprache zu überführen. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, Hypothesen zu entwickeln und diese mit anderen Beweisen abzugleichen. Menschen können ihre Sprache bewusst verändern, um ihre Identität zu verschleiern. Ein Täter könnte beispielsweise absichtlich Dialekt verwenden, obwohl er diesen im Alltag nicht spricht.

Eine weitere Schwierigkeit ist die Subjektivität der Sprache. Während ein Fingerabdruck oder eine DNA-Probe eindeutige Ergebnisse liefern können, ist Sprache immer interpretationsbedürftig. Deshalb arbeite ich eng mit anderen Experten zusammen – Kriminologen, Psychologen und IT-Spezialisten –, um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten.

Der zweite Fall: Chat-Nachrichten unter der Lupe

Während ich den Drohbrief analysiere, klingelt mein Telefon. Eine Kollegin aus der Cyberkriminalistik-Abteilung braucht meine Unterstützung. Es geht um einen Fall von Online-Betrug. Der Verdächtige soll über gefälschte E-Mails und Chat-Nachrichten Geld von seinen Opfern erpresst haben. Die Herausforderung: Die Nachrichten sind anonym, und der Täter hat keinen direkten Kontakt zu seinen Opfern gehabt.

Ich öffne die Dateien und beginne erneut mit meiner Analyse. Hier sind es vor allem Tippfehler, Abkürzungen und Wortwahl, die mich interessieren. Ein häufiger Fehler in den Nachrichten ist etwa das Vertauschen von „das“ und „dass“. Das könnte darauf hindeuten, dass Deutsch nicht die Muttersprache des Verfassers ist – oder dass er schlichtweg nicht viel Wert auf Rechtschreibung legt.

Ein weiteres Indiz liefert die Nutzung von Emojis. Der Täter verwendet ausschließlich ältere Emojis wie den klassischen Smiley „:-)“, anstatt modernerer Varianten wie 😊. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass er älter ist oder mit moderner Kommunikation weniger vertraut.

Die Bedeutung von Geduld und Präzision

Mein Beruf erfordert oft eine immense Geduld. Es gibt Tage, an denen ich stundenlang an einem einzigen Text arbeite, ohne zu einem klaren Ergebnis zu kommen. Doch genau das macht die Arbeit so spannend. Jeder Fall ist einzigartig, jede Spur ein neues Rätsel.

Am Nachmittag treffe ich mich mit einem Ermittlerteam, um meine bisherigen Ergebnisse zu besprechen. Ich präsentiere meine Analyse der Drohbriefe und erkläre, warum ich den Täter in einer bestimmten Region vermute. Gleichzeitig betone ich die Unsicherheiten – denn in der forensischen Linguistik gibt es selten absolute Gewissheiten.

Der schönste Moment: Wenn Worte zur Wahrheit führen

Es gibt nichts Befriedigenderes, als wenn meine Arbeit dazu beiträgt, einen Fall zu lösen. Vor einigen Monaten konnte ich durch die Analyse eines anonymen Briefes den Täterkreis auf eine kleine Gruppe von Verdächtigen eingrenzen. Ein Abgleich mit anderen Beweisen führte schließlich zur Verhaftung des Täters.

Doch mein Beruf hat auch seine Schattenseiten. Manchmal sehe ich die dunkelsten Seiten der Menschheit – Hassbotschaften, Drohungen, Manipulationen. Es ist nicht immer leicht, sich davon emotional abzugrenzen.

Fazit: Ein Beruf voller Faszination

Der Tag neigt sich dem Ende zu, und ich schließe mein Büro ab. Während ich nach Hause fahre, denke ich darüber nach, wie viel Macht Worte haben können – sowohl im Guten als auch im Schlechten. Als forensischer Linguist bin ich ein Übersetzer zwischen Sprache und Wahrheit, ein Detektiv der Worte.

Es ist ein Beruf, der oft im Verborgenen stattfindet und doch einen entscheidenden Beitrag zur Gerechtigkeit leistet. Und auch wenn die Arbeit manchmal schwierig ist: Jeder gelöste Fall erinnert mich daran, warum ich diesen Weg gewählt habe – weil Sprache niemals lügt, wenn man genau genug hinschaut.

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