Es war schon immer leichter, der Herde zu folgen. Nicht aufzufallen, nicht aus dem Durchschnitt sich zu erheben und das zu tun, was ein Jeder eben tut. Denn die Masse aus grauen Schafen verspricht Sicherheit im Schutz der fadenscheinigen Gemeinschaft. Das Problem aber an dieser Masse ist, dass sie sich nicht um den Einzelnen kümmert. Das grobe Ganze zählt, aber der Einzelne ist im Grunde egal. Und so einfach, wie sich die Macht der Mitläufer bildet, genauso oberflächlich kümmert sie sich um ihre Mitglieder. Nämlich gar nicht. Es ist eine Masse, die aber für nichts steht, als die Macht dessen, was anerkannt ist und im Mitlauf stärkt man diese, ohne sich jemals Gedanken über eine Intention machen zu müssen.
Kehrt man auf den Weg der Individualität ein, dann mag man zuerst verloren sein. Was zu tun, wofür zu stehen, was will man mit eigener Macht stärken. Wofür ist man bereit seine Seele zu opfern im Tribut des eigenen Pfades? Die Masse mag das Individuum belächeln, denn sie fühlt sich sicher in der schieren Kraft der Anzahl. Aber genauso viele, wie sich in ihr aufhalten, so sehr und schnell ist ihre Präsenz auch wieder vergessen und bildet sich zu jeder Zeit nur wieder neu. Zwecksgemeinschaft, genau das ist es.
Es stellt sich nicht die Frage nach der Mitläuferschaft, sondern ob man bereit ist, die wahre Freiheit zu erkennen. All die Möglichkeiten der Einzigartigkeit. Sicher wird man sich ab und zu auch in der Facette einer Idee verlieren, mal im Dunkel verloren gehen, mal sich im Lichte unangreifbar wähnen. Aber was auch immer passiert, was einem auch immer auf dem eigenen Pfad begegnen wird, färbt und schult die eigene Persönlichkeit. Bis man zum erwachsenen Selbst heranreift.
Niemand kann voraussehen, wohin die Reise gehen wird. Niemand kann in Wahrscheinlichkeit zählen oder erzählen, wieviele Niederschläge man erfahren wird, wie oft man scheitern wird, bis man nur ein einziges mal über ein Selbst und die Fehler triumphiert. Dabei ist Fehler der falsche Begriff. Denn das Selbst hat nie einen Fehler, nur eine Lektion, die noch offen ist und verinnerlicht, erfahren oder erlernt werden muss.
Am Ende des Pfades gibt es vielleicht noch nicht mal in der Masse anerkannte Belohnung. Nichts, was Andere erfahren oder mit einem teilen werden, als ein Selbst, das in sich ruht und durch die Stürme des Lebens an der Brandung des eigenen Gewitters geschult und gelehrt wurde. Jede Seele in dieser, der unseren Welt ist einzigartig. Und egal, wie viele Abermillionen Wesen bereits auf dieser Welt gewandelt sind. Kein individueller Pfad gleicht dem eines Anderen. In Facetten vielleicht ähnlich, aber in Variation doch einzigartig.
Die Belohnung am Ende? Mit Sicherheit nichts Materielles. Aber der Genuss einer Freiheit, die nichts mehr muss, alles kann. Ein Gefühl, der Odem der Seele, die in sich ruht und keinem Sollen und Müssen der Gesellschaft mehr unterworfen ist. Individualität, die sich selber ergibt, als Mahnmal eines fadenscheinigen schwarzen Schafes existiert, das sich nicht der grauen Masse verschreibt, sondern dem eigenen Pfad.
Entdecke mehr von Wissens Weben
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.